Leipziger Off-Literatur-Treffen

Bei der Reihe Leipziger Off-Literatur-Treffen stellten sich im Budde-Haus freie Verlage, Initiativen und Projekte sowie ihre Autor*innen mit ihren Publikationen, mit Lesungen und im Gespräch vor. Die Veranstaltungen wurden von Radio Blau live übertragen.

Eindruck vom 14.7.
15.09. (Bilderrechte Budde-Haus).

 

 

 

 

 

Eine Veranstaltung des soziokulturellen Zentrums Budde-Haus,
gefördert im Rahmen von Neustart Kultur, der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, durch den Deutschen Literaturfonds e.V.

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Der erste Termin fand am 14. Juli 2021 statt. Mit:
Nachsteller Kollektiv
und dem Autor Chris Michalski und mit der
Zeitschrift “PS – Politisch Schreiben” und den Redakteurinnen und Autorinnen Kaśka Bryla und Oliva Golde.

Der zweite Termin fand am 11. August 2021 statt. Mit:
Leipziger Literaturverlag
und dem Autor Markus Sahr;
Reinecke & Voß
und dem Autor und Verleger Betram Reinecke;
Trottoir Noir
und der Autorin Katharina Zimmerhackl.

Der dritte Termin fand am 15. September 2021, 19.00 Uhr statt.
Mit
dem Verlag hochroth Leipzig und der Autorin und Übersetzerin Martina Lisa;
dem poetenladen Verlag und der Autorin Andra Schwarz und
der Connewitzer Verlagsbuchhandlung und dem Autor Marcel Raabe.

Der vierte Termin fand am 17. Oktober 2021, 16 Uhr statt.
Mit
dem Buchkinder Leipzig e.V. und den Autor*innen Ida und Konstantin und
dem Tiny Foxes Verlag und der Autorin Kristin Franke

Chris Michalski ist Autor und Übersetzer und macht auch andere Sachen. Er hat sowohl das Nachsteller Kollektiv als auch das Carminski_Hauser_Kollektiv mit gegründet. Mit beiden initiiert, begleitet und unterstützt er Inszenierungen, Performances, Ausstellungen und Publikationen. Liebelingstier zur Zeit: Elefant.

Das Nachsteller Kollektiv (vormalig Nachsteller Verlag) ist ein Verlag und
Künstler:innenkollektiv, aus dem seit 2011 Ausstellungen, Bücher und Performance-
Szenarien zu den thematischen Schwerpunkten Gewalt und Postgewalt, Migration und Postmigration, Sehnsucht nach der Apokalypse und Kosmetikproduktwerbung sich ergeben.

„Flimmermann“ ist ein Text von Chris Michalski, der noch am Entstehen ist, über eine Person, die seit seiner Kindheit an dem Truman-Show-Wahn leidet und entsprechend glaubt, dass ihr Leben der Gegenstand einer Fernsehsendung ist. Geplant ist sowohl ein dramatischer Text als auch eine Graphicnovel zusammen mit der Künstlerin Lilli Gärtner. Der Text, der heute gelesen wird, ist eine Erzählung – oder vielleicht ein Monolog? – ist auf jeden Fall eher als Vorlage für das Projekt gedacht und kein fertiger Text an sich.
Kaśka Bryla ist in Wien geboren, zwischen Wien und Warschau aufgewachsen. Studium der Volkswirtschaft in Wien, Studium am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig. Ihr Romandebüt Roter Affe ist 2020 im Residenz Verlag erschienen. Derzeit erarbeitet sie gemeinsam mit „ongoing project“ das Theaterstück Das verkommene Land, das im September 2021 an der Schaubühne Lindenfels uraufgeführt wird.

Olivia Golde ist in Leipzig aufgewachsen. Auch sie studierte am Literaturinstitut. Im vergangenen Jahr erschien ihr Buch KARSTADT WAREN WIR / chronik einer angekündigten leerstelle beim Leipziger Verlag Trottoir Noir. 

Gemeinsam sind sie Mitbegründerinnen und Redaktionsmitglieder von PS: Anmerkungen zum Literaturbetrieb / Politisch Schreiben. 

PS ist eine Literaturzeitschrift und ein Netzwerk für marginalisierte und politisch engagierte Autor:innen. Seit 2015 erscheint die Zeitschrift einmal jährlich und fragt nach Zusammenhängen und Abhängigkeiten. Neben Essays und Interviews erscheinen in PS literarische Texte aller Disziplinen. Man findet sie frei zugänglich im Internet oder als gedrucktes Heft in ausgewählten Buchhandlungen und am Abend der Veranstaltung.

www.politischschreiben.net
Markus Sahr Studium in Mainz, Tübingen und Berlin (West), Hospitanzen am Theater und freier Journalist in Berlin („Tagesspiegel“, „Junge Welt“), Deutsch als Fremdsprache, Wanderjahre in Portugal und England, Lehrauftrag am Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaften (Portugiesisch) an der Universität Mainz in Germersheim. Er liest aus dem Buch: „Wallis. Die wirkliche Farbe“: Ein Tag im Leben von A. Wallis, Maler, ein Sonntag, der Tag, an dem er nicht malt. Alles kreist um das eine Thema: Das Malen ist Sünde, Erinnerungen an ein Leben, das vom Meer bestimmt war.
Bertram Reinecke veröffentlichte sechs Lyrikbände, sowie Essays, Erzählungen, Hörstücke und Textvorlagen für Musikwerke. Er erhielt verschiedene Stipendien, gründete den Verlag Reinecke & Voß und war mehrfach Gastprofessor am Deutschen Literaturinstitut.

Der „Fachverlag für Horizonterweiterung“ Reinecke & Voß stellt seit 2009 Literatur vom Barock bis in die Gegenwart vor, die heute ungewohnte Verfahren nutzt oder aus hierzulande weniger beachteten Regionen stammt.
Bertram Reinechke liest aus einer Ausgabe zu Sybilla Schwarz und zu einer Antologie zu der selben Autorin.
Katharina Zimmerhackl (*1983 Palo Alto/US) ist eine in Leipzig lebende Konzeptkünstlerin, deren Praxis sich vor allem im Bereich Zeichnung, Installation und Klangkunst bewegt. Sie hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig sowie der Academy of Fine Arts Helsinki Medienkunst, Druckgrafik und Grafik-Design studiert und war 2014/15 als Artistic Researcher an der Van Eyck Academie in Maastricht. Neben Aufenthaltsstipendien im Künstlerhaus Lukas, Künstlerdorf Schöppingen oder Atelier Salzamt Linz war sie 2017 für den Kunstpreis junger westen nominiert. Letzte Ausstellungen oder Performances hatte sie u. a. im Moscow MOMA, Galerie für zeitgenössische Kunst Leipzig, Haus der elektronischen Künste Basel, Kunsthal Ghent, Nieuwe Vide Haarlem oder Galerie Charlot, Paris.

Welche künstlerischen Verfahren benutzen Wissenschaft und Journalismus? Welche dokumentarischen Interessen hat die Kunst? Der Verlag Trottoir Noir interessiert sich für Aufzeichnungen in Form von Reportagen, Interviews, Lyrik und auch wissenschaftlichen Erkundungen. Der Verlag wurde 2014 gegründet und bietet insbesondere in seiner Reihe „Skizzenbücher“ im Format A6 eine Alternative zum heute allgegenwärtigen Blick auf das Mobiltelefon an Haltestellen, Reisezügen und Wartezimmern. Gemeinsam ist den Texten und Zeichnungen das Notizenhafte, Flüchtige, das in einer Gesamtschau aber präzise Analysen der Gegenwart erlaubt.
Martina Lisa lebt frei schaffend in Leipzig – sie übersetzt tschechische und slowakische Literatur ins Deutsche, liest, schreibt und gibt Bücher heraus. Sie ist Mitglied im Autor:innenkollektiv ceoK und im Verlagskollektiv hochroth Leipzig. www.martinalisa.

hochroth ist ein Verlagskollektiv mit aktuell sieben eigenständigen Standorten, die sich der Publikation von Literatur, hauptsächlich Lyrik, widmen. Alle Bücher werden von Hand gefertigt.
Die Leipziger Gruppe widmet sich seit der Gründung 2011 der Veröffentlichung und Verbreitung von zeitgenössischer Literatur aus Leipzig und der ganzen Welt, ein Hauptschwerpunkt des Vereins ist die Veröffentlichung und Förderung von Autor*innen mit migrantischem Hintergrund sowie von zeitgenössischer fremdsprachiger Lyrik in Übersetzung und Kurzprosa.
Die Übersetzerin und Autorin Martina Lisa begründete 2018 die Edition OstroVers, in der zeitgenössische tschechische und seit 2021 auch slowakische Lyrik in zweisprachigen Bänden erscheint.
Andra Schwarz (*1982 in der Oberlausitz) studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und gewann 2015 den Lyrikpreis beim open mike und 2017 den Leonce-und-Lena Preis beim Literarischen März in Darmstadt. Ihr Debüt „Am morgen sind wir aus glas“ (Poetenladen 2017) erschien 2021 in der englischsprachigen Übersetzung von Caroline Wilcox-Reul bei Zephyr-Press in den USA. Sie erhielt ein Stipendium des Berliner Senats, der Kulturstiftung Sachsen, des Goetheinstituts Prag und des Museumsquartiers Wien.

Der poetenladen Verlag aus Leipzig widmet sich der jungen Literatur von der Prosa bis zur Lyrik, die nachhaltig gepflegt wird. Dass Werke mit Anspruch – unabhängig von Trends – Erfolg haben können, zeigen vielfache Auszeichnungen an unsere Autorinnen und Autoren. Der poetenladen Verlag ging aus einem Literaturportal hervor, das digitale Pionierarbeit leistete. Doch führt der verlegerische Weg aus der Netzwelt heraus zum gut gemachten Buch, das man gern in die Hand nimmt. Die Pflege gegenwärtiger Dichtung versteht sich dabei zugleich als Beitrag zur Bereicherung der Literaturlandschaft. Poetenladen-Gründer ist Andreas Heidtmann. In den Jahren 2019 und 2020 erhielt der Verlag den Deutschen Verlagspreis.
Marcel Raabe (*1978) studierte Literaturwissenschaft, Soziologie und Geschichte in Dresden und Washington, D.C. Er arbeitet als Journalist in Leipzig und betreibt dort den Kleinverlag »Trottoir Noir«. 
www.marcelraabe.de, www.trottoirnoir.de
 
Die Connewitzer Verlagsbuchhandlung wurde 1990 von Peter Hinke im Leipziger Stadtteil Connewitz als Sortimentsbuchhandlung mit Verlag gegründet. Durch viele Aktionen etablierte sich die Buchhandlung bereits nach kurzer Zeit als eine der wichtigsten literarischen Adressen der Stadt und ist heute in der Innenstadt im Specks Hof und  in der Südvorstadt ("Wörtersee") zu finden. Grundsätzlich verlegt die CVB Bücher in schöner Ausstattung und arbeitet vorrangig mit Leipziger Gestaltern, Künstlern, Autoren, Buchbindern und Druckereien zusammen. Von der Stiftung Buchkunst wurden die Bücher bereits mehrfach ausgezeichnet. zuletzt  erhielt die Connewitzer Verlagsbuchhandlung 2019 den Sächsischen Verlagspreis und 2021 den Deutschen Verlagspreis. AutorInnen des Verlages sind u.a. Jörg Jacob, Kerstin Preiwuß, Andreas Reimann, Ulrike Almut Sandig und Lene Voigt.
Der Buchkinder Leipzig e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche auf dem Weg zum eigenen Ausdruck, zur eigenen Geschichte, zum eigenen Buch zu begleiten. Das Verlegen von Kinderideen ist in dieser Form und Konsequenz einzigartig. Ideenschmiede, Buchmanufaktur und Buchladen unter einem Dach – alle Prozesse des Büchermachens werden hier an einem Ort erlebbar gemacht. 

Ida und Konstantin lesen aus ihren aktuellen Geschichten.
Kristin Franke stammt aus der Lausitz, studierte Germanistik und Philosophie an der TU Dresden und erhielt danach einen Lehrauftrag. In Leipzig wohnt sie seit 15 Jahren und war hier zuerst aus Fernsehautorin tätig. Nun ist sie sowohl als Kinderbuchautorin als auch als Illustratorin tätig. 2016 veröffentlichte sie ihr erstes Kinderbuch. Im September erschien ihr 16. Buch "Der Wutwichtel" und für 2022 ist schon das nächste bereit. Für ihre Arbeit gründete sie den kleinen „Indipendent-Verlag“ Tinyfoxes, wodurch sie unabhängig von Trends veröffentlichen kann.